von Manfred Burger
Dem Aufruf zum Vernetzungstreffen der Zivilcourage-Miesbach in den Miesbacher Bräuwirt zu kommen, sind ca. 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Sie wollen, entgegen der Pläne der EU-Kommission, die die Liberalisierung der bisher strengen Agro-Gentechnikgesetze und die Abschaffung der Kennzeichnungspflicht vorantreibt, mit den Befürwortern dieser Risiko-Technologie diskutieren und über die Folgen informieren.
Dazu braucht es, nachdem ein Großteil der Bevölkerung in der EU gentechnikfrei erzeugte Lebensmittel fordert, eine gesellschaftliche Gegenbewegung und eine sachliche und fachlich fundierte Diskussion, um die politisch finale Entscheidung im EU-Parlament noch beeinflussen zu können.
Nach der Begrüßung der Teilnehmer des Vernetzungstreffens, erinnerte R. Obermaier, Sprecher der Zivilcourage-Miesbach, an die Gründung der Zivilcourage-Gruppen in Miesbach und anderen Landkreisen vor 20 Jahren. Bauern und Verbraucher taten sich parteiübergreifend zusammen, um sich gegen die damaligen Bestrebungen und Versprechungen von Agrar-Industrie und Politik die Agro-Gentechnik als Lösung vieler Probleme in der Landwirtschaft auszusprechen. Die negativen Beispiele in den Ländern Südamerikas, USA und Indien bewiesen damals schon, dass die Versprechungen für Ertragssteigerungen, bei weniger chemischen Pflanzenschutzmittel-Einsatz durch besseren Resistenzschutz gentechnisch veränderter Pflanzen leere Versprechungen waren und gegen eine bäuerliche und weitgehend unabhängige Landwirtschaft arbeiteten.
Durch hartnäckige Gespräche mit den Politikern aller Parteien gelang es der von Bauernpersönlichkeiten geführten Allianz die Politik umzustimmen und mit Unterstützung vieler Molkereien eine gentechnikfreie Landwirtschaft nicht nur hier im Grünlandgebiet, sondern auch im Ackerbau durchzusetzen. EU-weit wurde damals die Agro-Gentechnik mit strengen Gesetzen geregelt, was im Sinn von Bauern und Verbrauchern geschah. Auch der Ökolandbau wurde dadurch gesichert, sodass eine klare Kennzeichnung Transparenz Bauern und Verbrauchern die Wahlfreiheit sicherte.
Die jetzige Situation in der Agro-Gentechnik unterscheidet sich insofern, dass bei den neuen Gentechnikverfahren ausschließlich arteigene Gene für die gentechnische Arbeit in der Pflanzenzüchtung verwendet werden, um schnellere Züchtungserfolge zu erreichen. Hier wird jetzt behauptet, dass sich die neue Technologie nicht von der herkömmlichen Züchtung unterscheidet, weil sie nicht mehr nachgewiesen werden kann. Somit gelten für die Befürworter die gesetzlichen Regelungen nicht mehr. Wissenschaftler bezweifeln aber die Unbedenklichkeit, sodass nationale Behörden aus Deutschland (BfN, Österreich (UBA Wien) und Frankreich (ANSES) eine umfassende Risikoprüfung für alle mit neuer Gentechnik erzeugten Pflanzen fordern.
Jana Heenen, eine junge Gärtnerin, hat eine SOLAWI (solidarische Landwirtschaft) für ihre Gemüseproduktion auf einem Hof bei Kleinpienzenau gegründet und arbeitet erfolgreich mit immer mehr Menschen bei Anbau und Vermarktung zusammen.
Als Mitglied in der Zivilcourage-Miesbach stellte sie konkrete Ideen und Aktionen vor, die bereits von der Zivilcourage in der letzten Woche stattfanden und für die nächste Zeit geplant sind. Wichtig ist, dass solche Informations- und Demonstrationsveranstaltungen mit großer Bürgerbeteiligung stattfinden und mit der Zivilcourage-Miesbach zusammen zu vernünftigen Gesprächen mit CSU und Freie Wähler führen, die momentan mehrheitlich dem EU-Kommissionsvorschlag zustimmen.
In der letzten Woche fand eine Demonstration eines starken Agrarbündnisses vor der Dreiländerhalle statt, wohin die CSU zu den Aschermittwoch-Reden eingeladen hatte.
Tags darauf war die Zivilcourage-Miesbach Teil des Agrarbündnisses in München vor der CSU-Zentrale, um nach ihrer Demonstration einen Forderungskatalog zu übergeben, mit der Bitte, sich die Argumente der Kritiker anzuhören und sich wieder für ein echtes gentechnikanbaufreies Bayern, Deutschland und Europa stark zu machen.
Der Forderungskatalog, der an den CSU-Generalsekretär Huber gerichtet war, beinhaltet: Wertvolle und florierende Märkte und Wettbewerbsvorteile europ. Landwirte, kleinerer Züchtungsunternehmen und der Lebensmittelbranche zu erhalten, Keine Abschaffung europ. Sicherheits- und Schutzstandards vorzunehmen, die bayer. und dt. Bauern zu austauschbaren Rohstofflieferanten degradieren und Märkte und Existenzen zerstören, gentechnikfreie Züchtung und Lebensmittelerzeugung sichern, sowie Verbraucherschutz und selbstbestimmte Kaufentscheidungen. Auch Patente auf Lebewesen müssen verhindert werden, da sie den freien Zugang zu Saatgut und genetische Ressourcen gefährden.
Jana Heenen berichtete über die humorvolle Idee, diese Forderungen des Bündnisses an einer Maß gentechnikfreies Bier in Großformat aus Pappe festzumachen, da jeder bayerische Biertrinker ein solches ablehnen würde. Der Slogan „Bayerisches Bier muss gentechnikfrei bleiben“
Die sprudelnden Ideen für weitere Aktionen gegen die Agrogentechnik wurden vom Publikum ergänzt, sodass in nächster Zukunft die Gesellschaft zu weiterer Bürgerbeteiligung bei Aktionen aufgerufen wird.
Am Ende der Veranstaltung wurde noch über die Zukunft der Zivilcourage-Miesbach diskutiert und beraten. So wurde gefordert, dass sich das Bündnis, wie bisher parteiübergreifend für mehr Bürgerbeteiligung einsetzt und auch für Gesprächsforen bei anderen gesellschaftsrelevanten Themen bei Bedarf öffnet. Zunächst soll aber weiterhin die Agrogentechnik die Arbeit bestimmen. Auch die bewährte Zusammenarbeit mit dem BBV-Kreisverband, der durch den Kreisobmann Sepp Huber vertreten war, soll mit stärkerer Beteiligung von Bäuerinnen und Bauern fortgeführt und ausgebaut werden, um ein besseres gegenseitiges Verständnis für die oft gemeinsamen Probleme zu fördern.
Eine Folgeveranstaltung wurde auf Freitag, den 20. März für 19:30 im Nebenzimmer des Miesbacher Bräuwirts festgelegt.